"Smombies", Maskenträger und Schattenspieler prägen ersten DuG-Abend

Erstellt von S. Seeger (Text u. Fotos) |

Premiere des DuG-Abends mit Präsentationen und der 10er-Theateraufführung "Smombies" war ein voller Erfolg.

Endlich wieder Bühnenprogramm! Für jeden "Darstellen und Gestalten"-Kurs ist es natürlich das Highlight des Unterrichts, das in wochen- und monatelanger Arbeit Einstudierte und Geprobte auf die Bühne zu bringen und einem größeren Publikum vorzutragen. Dies sollte am gestrigen Abend zum ersten Mal und nach langer Coronapause der Fall sein. Also hieß es vor einer gut gefüllten Aula für die DuG-Kurse der Jahrgänge 7, 8 und 10 "Bühne frei" und "Vorhang auf"!

Den Auftakt des Abends bildete der DuG-Kurs des Jahrgangs 8 unter der Leitung von Monika Niggemeyer und Christoph Spiekermann. Mit ausdrucksstarken Schattenspielen und beeindruckender Licht- und Gestaltungstechnik stellten die Schülerinnen und Schüler unter dem Motto "Traum und Albtraum" verschiedene kleine Szenen dar. Im Anschluss präsentierte der Jahrgang 7 als jüngstes Mitglied dieses Wahlpflichtfaches unter der Federführung von Sylke Delfmann kleine Theaterstücke wie "Habe Mut" mit Schminkmasken oder eine Choreografie mit kunstvoll gestalteten Kartonmasken zur Renaissance-Musik.

Nach einer circa halbstündigen Umbauphase, während der sich das Publikum im Foyer mit Brezeln, frisch gebackenen Waffeln und weiteren Snacks sowie verschiedenen Getränken auf die nächsten anderthalb Stunden einstimmen konnte, folgte der Höhepunkt des Abends: das Theaterstück "Smombies" der DuG-Kurse Jahrgang 10 unter der Leitung von Silke Bodenhorn und Daniela Müller.

"Smombies"... als Jugendwort des Jahres 2015 bezeichnet dieses Kunstwort - zusammengesetzt aus "Smartphone" und "Zombies" - Menschen, die durch den ständigen Gebrauch ihres Handy so abgelenkt sind, dass sie ihre wirkliche Umwelt kaum noch wahrnehmen, sie für nicht wichtig halten. Und genau dieses Verhalten zeigen Anania, Laura, Lucy-Marie, Fiona, Angi, Jacky und die anderen Jugendlichen, die von ihren Eltern in die Therapieeinrichtung "Haus Offline" geschickt werden, wo sie unter dem "Regiment" von Dr. No und seiner zwei Kolleginnen von ihrer Smartphone-Sucht befreit werden sollen. Ob das gelingt?

Zunächst sind Entsetzen und Protest bei den"M&M's" ("Mediensüchtige Minderjährige") groß, als es heißt, es herrschten in der Einrichtung Anwesenheitspflicht ("Ist ja schlimmer als Schule!"), gemeinsame Mahlzeiten, Foto- und Selfieverbot und ab zehn Uhr abends Offline-Zeit bis morgens um sieben Uhr. Und während der Gruppen- und Einzel-Therapiesitzungen ist natürlich ebenso selbstverständlich das Smartphone abzugeben oder eben "Ernie", wie Angi ihr Handy liebevoll getauft hat und mit ihm "eine Beziehung eingegangen ist"... Das kostet kaum auszuhaltende Überwindung, diese Trennung!
Was ist mit all den Likes, die man jetzt nicht mitbekommt? Ohne Musik leben? Nicht denkbar! Keine Fotos posten? All die Animés, die ungeschaut bleiben? Keine Spiele zocken? Geht das überhaupt? Stattdessen: Seinem Mitmenschen eine Minute lang während der Gruppensitzungen in die Augen schauen! Höchststrafe!

Vier Tage sind die Jugendlichen jetzt schon in "Haus Offline" und in vielen Sitzungen merken sie selbst, wie abhängig sie von ihrem Smartphone sind. Die nächste Stufe des Entzugs naht: auch tagsüber offline zu sein. Mit Bogenschießen, gemeinsamem Kochen und einem Spieleabend muss das doch möglich sein! Die "M&M's" sind angesichts dieser verlockenden Aussichten alles andere als begeistert... Doch es kommt schließlich ganz anders: die gesamte Gruppe wird mitsamt ihrer Therapeuten (aus Versehen?) eingeschlossen, und das drei Tage lang! Keine Handys in Reichweite... Nach Hysterie und Panikanfällen beruhigt Dr. No und muntert auf ("Wir werden das hier rocken, ohne eure Scheinwelt!"), so dass schließlich sogar Kinderspiele wie Topfschlagen ("Wie? Du kennst das nicht? Hast du denn nie Kindergeburtstag gefeiert?") die Gruppe bei Laune hält. Als dann noch die Therapeutin einen "Anfall" bekommt und Jackie ihr Talent in Erster Hilfe entdeckt, ist der erste Schritt zurück in die Wirklichkeit getan. "Ich fühle mich so lebendig, auch wenn ich hier seit Tagen mit Nichts sitze... an die Likes denke ich gar nicht". Da war die "Gefangenschaft" doch tatsächlich gut arrangiert von den Therapeuten!

Vier Wochen später: Die "M&M's" sind längst wieder zu Hause, doch im Chat (wo auch sonst?) halten sie noch Kontakt, wenigstens ab und zu. Laura ist nun so wenig online, dass sie schon totgeglaubt wird, Jacky macht tatsächlich ein Praktikum als Rettungssanitäterin und Fiona postet ganz stolz auf Facebook: "Nur montags, mittwochs und freitags von 18-20 Uhr online".

Mit viel Spielfreude, die sich vor allem in der zweiten Halbzeit zeigte, hielt sich das junge Ensemble mit diesem Stück selbst den Spiegel vor und hinterfragte auf launige und humorvolle Art sein eigenes Medienverhalten. Beim Publikum kam dies gut an und verdienter Applaus ließ die anfängliche Aufregung und Nervosität vergessen, die doch recht hoch war, da es corona-bedingt viele Ausfälle gab und Improvisation in mancher Hinsicht gefragt war. Umso mehr gilt unser Dank den DuG-Kursen für den unterhaltsamen und kurzweiligen Abend!

Lesen Sie dazu auch den Artikel des Soester Anzeigers vom 02.04.2022.

 

 

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