Viel Musik und eine „stumme Moderation“ zur Verabschiedung

Erstellt von S. Seeger |

In einer knapp zweieinhalbstündigen Veranstaltung wurde heute unser Abteilungsleiter Jg. 8-10 Andreas Gasse in den Ruhestand verabschiedet.

Musik und Andreas Gasse – Worte, die einfach zusammengehören! Das wurde immer wieder in den vielen Darbietungen deutlich, die ehemalige und jetzige Weggefährten des künftigen Ruheständlers auf die Beine gestellt hatten. Doch eine Sache blieb kontrastierend dazu vollkommen stumm: die Moderation. Bitte?

Auf eine einfallsreiche, arbeitsintensive und originelle Art und Weise unter der Federführung von DuG-Lehrer Christoph Spiekermann übernahmen beschriebene Plakate – hintereinander im Wechsel von jeweils zwei Schülerinnen präsentiert – die ungewöhnliche Moderation an diesem Nachmittag. Dabei erzeugten die Plakate in ihrer „stummen Präsentation“ so manchen Lacher im Publikum, waren sie doch wie ein lebendiger Dialog aufgebaut, mit humorvollen Einlagen, Spitzfindigkeiten und sogar „Texthängern“…

Lautlos also kündigte sich der erste Programmpunkt an: der Unter-und Mittelstufenchor unter der Leitung von Musiklehrerin Sylke Delfmann präsentierte mit dem Song „Ey, da müsste Musik sein“ geradezu das Motto dieses Tages – denn ohne Musik ist das Leben des Musik- und Religionspädagogen Andreas Gasse unvorstellbar.

Bürgermeister Grossmann betont die pädagogische und musikalische Größe des scheidenden Abteilungsleiters

An das Faible für Musik knüpfte auch Bürgermeister Michael Grossmann als Vertreter des Schulträgers an. Doch zunächst stellte er die Leistung des scheidenden Pädagogen als langjährigen stellvertretenden und kommissarischen Schulleiter der Overbergschule dar. An beiden Schulen – der auslaufenden Hauptschule und unserer im Aufbau begriffenen Sekundarschule – wirkte der engagierte Kollege intensiv mit. Schließlich wechselte er im Sommer 2016 als Abteilungsleiter für die Jahrgänge 8-10 und Mitglied in der Schulleitung endgültig an unsere Schule. Jetzt, nach dreieinhalb Jahren an der Sekundarschule, „hinterlässt er eine Lücke, die man nur schwer füllen kann“, so Grossmann, „mit Empathie, Kompetenz und Erfahrung“ war der nunmehr 65-Jährige ein „Glücksgriff“, wie es damals auch unsere vor einem halben Jahr in den Ruhestand gegangene ehemalige Schulleiterin Gabriele Fuhlrott in einem Zeitungsinterview formulierte.

Bürgermeister Grossmann betonte, dass Andreas Gasse nicht nur als Pädagoge Herausragendes leistete, sondern sich mit dem „Werl-Lied“, das 2009 auf dem Siederfest Premiere hatte, ein musikalisches Werler Denkmal gesetzt hat. „In Werl gehörst du zum Salz in der Suppe“, so die Worte des Bürgermeisters in Anspielung auf die Bedeutung des Salzes in der Hellwegstadt. Andreas Gasse wird der Stadt ganz sicher auch nach seinem Ruhestand musikalisch erhalten bleiben.

„Das Leben des Herrn Gasse“

Der DuG-Kurs Jg. 8 unter der Leitung von Daniela Müller nahm sich szenisch nichts Geringeres als „das Leben des Herrn Gasse“ vor. Schon Minuten nach der Geburt war sein musikalisches Talent ärztlich und per Hörtest bestätigt und auch das Alphabet zu lernen ging für den Erstklässler mit Musik natürlich viel besser. Die Mittelstufe durchlief der Musikliebhaber als „langhaariger Revoluzzer“ und als erwachsener Musiklehrer kam er schon mal mit den Schülernamen ein wenig durcheinander, doch Musik brachte auch hier alles wieder in Ordnung. Als Opa schließlich Klavierunterricht erteilen… auch eine Lebensaufgabe?

Grußwort Prüntes als Vertreter der Werler Schulleiter

Die weiterhin „stumme Moderation“ forderte im Anschluss Michael Prünte als Sprecher der Werler Schulleiter zu dessen Grußwort auf. Hier hob der Schulleiter des MG hervor, dass Andreas Gasse ein Lehrer gewesen sei, der „mit Augenmaß“ und „menschlicher Zuwendung“ gehandelt habe. „Die Menschen stärken, die Sache klären“ sei das Motto des Abteilungsleiters gewesen, und das mit der Fähigkeit zur „Stressbewältigung, Feinfühligkeit und einem ganzen Arsenal weiterer Fähigkeiten“.

Videobotschaft der „Old Overberg Fighters“ und „Gasse-geht-Rap“  

Wenn man 20 Jahre lang nicht nur musikalisch die Fäden in der Hand hielt, dann ist das eine Fotopräsentation wert. Ehemalige Kolleginnen und Kollegen der im Sommer 2017 geschlossenen Overbergschule stellten Eindrücke vor, die zeigten, mit wieviel Spaß und Engagement (und dem ein oder anderen Bierchen, natürlich nach Dienstschluss!) der beliebte Kollege seinen Beruf ausübte.

„The Old Overberg Fighters“, ein Chor aus „überlebenden“ Kolleginnen und Kollegen, bewies, dass „Totgesagte“ tatsächlich länger leben: Die Ex-Kollegen erinnerten im Anschluss an die Fotoshow schwungvoll nach der Melodie von Pippi Langstrumpf an Episoden aus dem Lehreralltag an der ehemaligen Wirkungsstätte Gasses und verabschiedeten ihn nun zum zweiten Mal.

Ihren Chorleiter zu würdigen war auch dem ehemaligen Schulchor der Overbergschule ein Anliegen, der zusammen mit Sohn und Tochter von Andreas Gasse jenen musikalisch mit dem „Gasse-geht-Rap“ nach nunmehr 43 Jahren Lehrerleben in den wohlverdienten Ruhestand schickte.

„Stummes Ständchen“ nach „stummer Moderation“

Nach einer kurzen Abschiedsrede der Elternvertreterin Angela Sommer, in der sie dem scheidenden Lehrer für die gute Zusammenarbeit dankte, folgte erneut ein „Lied“. Dieses Mal wurde das Publikum zum „Ständchen“ aufgefordert. Und das ganz in der Manier der „stummen Moderation“…  Was ein Klang, als das Lied „Frère Jacques“ schwungvoll lautlos durch die Aula schwebte, und das sogar im Kanon!

Entlassungsurkunde und Single Malt Whisky - der Ruhestand kann kommen!

Nach so viel „Gesang“ griff nun unsere kommissarische Schulleiterin Martina Schmitz zum Mikrophon, um sich in gereimten Worten von ihrem Schulleitungsmitglied zu verabschieden, auf das sie sich immer verlassen konnte. „Wir wünschen dir immer einen Überfluss an Lebensfreude und Genuss“, so ihre Worte zum Ende ihrer Rede und sie überreichte dem Kollegen die begehrte Entlassungsurkunde, bevor das Lehrerkollegium den begeisterten Schottlandfahrer mit einer Kiste voller „Hochprozentigem“ in das „Home Sweet Home“ entließ. 

„Monumentale Würdigung“ des „Facility Management“

Eine „monumentale Würdigung“ nahm sich das „Facility-Management“ vor. Unsere drei Hausmeister Peter Blömer, Michael Gerbens und Theo Riskop sangen dieses Mal nicht wie zur Verabschiedung von Gabriele Fuhlrott vor einem halben Jahr – schließlich konnten sie Gasses Tonstudio nun nicht benutzen, dann wäre es ja keine Überraschung mehr gewesen – nun betonten sie in einem launigen „Gespräch“ ihre eigentlichen Aufgaben. Als Beispiel sei hier nur der Ausbau unserer Aula zu nennen, nachdem die Overbergschule leergeräumt worden war: Wie sollte das Riesenexemplar eines Beamers aus der Hauptschule nur an die hallenhohe Decke der Sekundarschulaula gelangen? Mit vielen Fotos dokumentierte das Trio damals seine waghalsigen Aufstiege in luftige Höhen mit just diesem Beamer und sorgte mit dem ein oder anderen Kommentar dazu für viele Lacher im Publikum. „Deine Ideen haben uns nicht nur viel Arbeit bereitet, Freude war auch dabei“, so schließlich das Statement der drei, gerichtet an den scheidenden Lehrer. „Wir sind uns ganz sicher, dass wir bald von dir zu einem Grillfest eingeladen werden. Wie du weißt, bevorzugen wir Pfefferminztee!“ Ja, gemeinsame Stunden im Tonstudio schweißen zusammen – da kennt man sich…

Und da auch die Arbeiten in der Aula irgendwie zusammengeschweißt haben, heißt diese nun nicht mehr einfach nur "Aula", sondern: ANDREAS-GASSE-AULA 2020. Das stolz in die Luft gehaltene und silbrig glänzende Schild müsse "heute noch" von ihm selbst angeschraubt werden (was tatsächlich auch erfolgte...)!

„Kein Gasse mehr da…“ Doch: Als Schlusspunkt des Nachmittags

Bevor der baldige Pensionär zum Schluss des offiziellen Teils am Nachmittag selbst ans Rednerpult trat, brachten die „Sälzer-All-Stars“ nach der Melodie des Liedes „Kein Meer mehr da“, das aus der Feder von Andreas Gasse himself stammt, mit Wehmut im Herzen, aber schwungvoll in der Ausführung ein Abschiedsständchen.

Eigentlich wollte er nur einen kleinen Ausstand geben, nun wurde eine große Abschiedsfeier daraus, wie Andreas Gasse selbst ein wenig verwundert feststellte. Er sei eigentlich ein Mensch, der lieber im Hintergrund bleibe, aber wenn er jetzt schon mal zum Reden „gezwungen“ werde, dann müsse sich das Publikum auch auf mindestens eine Dreiviertelstunde Redezeit einstellen… Nein, ganz so lang wurde es dann doch nicht, auch wenn die Rede ihren Anfang nahm, als der „kleine Andreas“ zarte sieben, acht Jahre alt war. Sein toller Grundschullehrer war „schuld daran“, dass er schon in so jungem Alter wusste: „Ich werde Lehrer!“

Viele amüsant vorgetragene Anekdoten aus der Wittener und Werler Hauptschulzeit mit Schülern und auch Kollegen zeigten, dass ein Lehrerleben stets für Überraschungen gut ist.

Nicht unbedingt eine Überraschung, sondern das Ergebnis systematischer und kompetenter Arbeit war der Erhalt des „Gütesiegels Individuelle Förderung“, das die Overbergschule damals als erste Schule kreisweit erlangte. Darauf war man zu Recht stolz, vor allem auch deswegen, weil man es noch vor dem „katholischen Nachbargymnasium in privater Trägerschaft, dessen Namen aus Datenschutzgründen nicht genannt werden darf“ überreicht bekam…

Andreas Gasse zählte in seiner Abschiedsrede Beispiele vieler erfolgreicher beruflicher Laufbahnen von ehemaligen Hauptschülern auf – da sind die Tierärztin, der Filialleiter, der Eventmanager nur wenige von vielen. Sie haben ihren Weg gemacht, auch weil der Pädagoge davon überzeugt ist: „In der Erziehung und auch in der Schule ist nichts wichtiger als Vertrauen.“  Vertrauen in die Stärken der Menschen, sie „machen lassen“. Das würde er sich manches Mal auch von der Bezirksregierung wünschen, die durch immer stärker werdenden Kontroll- und Reglementierungsdrang die Arbeit der Lehrkräfte „vor Ort“ regelrecht knebelt.

Nur dreieinhalb Jahre war er als Abteilungsleiter an unserer Schule tätig, doch das Kollegium sei ihm mehr und mehr ans Herz gewachsen, er habe es als hochmotiviert erlebt, mit Menschen, die sich bewusst für diese Schulform entschieden hätten. Da hatte er als „alter Hauptschullehrer“ anfangs doch ganz schön Respekt vor dieser Schulform.

Vermissen werde er auch die Schülerinnen und Schüler, die er manches Mal mit „Esprit, Kreativität und Begeisterung“ bei der Sache gesehen habe, vor allem bei der Revue, der großen Bühnenshow, die jedes Jahr an unserer Schule stattfindet.

So ist es nicht verwunderlich, dass der scheidende Kollege zum Schluss eine humorvoll vorgetragene Videobotschaft von Sir Ken Robinson, einem britischen Autor und international geachteten Berater in Sachen Kreativität und Bildung, einspielte, und damit eine Lanze für mehr Kreativität an Schulen brach. Mit diesem Aufruf verabschiedete sich Andreas Gasse in den Ruhestand und eröffnete schließlich das umfangreiche kalte und warme Buffet, das dem offiziellen Teil folgte.

Wir sehen uns wieder bei der nächsten Revue! Alles Gute!

 

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